Der Zug des Lebens zeigt, wie Zeit wirklich ist...
Die Erinnerungen an seine Lebensgeschichte prägen die Persönlichkeit, formen die Identität. Doch nicht etwa die objektiven Lebensdaten spielen dabei die Hauptrolle, sondern Gefühle. Sie sind es, die filtern, was im Langzeitspeicher landet und was gelöscht wird.
"Gefühle, sind die Wächter unserer Erinnerung."
Enya: Only Time
Vor einiger Zeit las ich ein Buch, worin dasLeben mit einer Zugreise verglichen wurde.
Eine sehr interessante Lektüre.
Das Leben ist wie eine Reise mit dem Zug.Man steigt oft ein und aus,
bei manchen Aufenthalten gibt esangenehme Überraschungen
und glückliche Momente,aber auch Unfälle und Traurigkeit.
Wenn wir geboren werden und in den Zug einsteigen, treffen wir Menschen, von
denen wir glauben, dass sie uns während der ganzen Reise begleiten werden,
unsere Eltern.
Leider ist die Wahrheit eine andere. Sie steigen irgendwann aus
und lassen uns, ohne ihre Liebe und Zuneigung,
ohne ihre Freundschaft und Gesellschaft, alleine zurück.
Allerdings steigen andere Personen, die für uns sehr wichtig
werden, in den Zug ein.
Es sind unsere Geschwister,
unsere Freunde und die Menschen, die uns begegnen und die wir lieben lernen.
Manche Personen, die einsteigen, betrachten die Reise als kleinen Spaziergang.
Andere finden nur Traurigkeit auf ihrer Fahrt durch’s Leben.
Und es gibt wieder andere im Zug, die immer da und bereit sind,
denen zu helfen, die Hilfe brauchen.
Manche hinterlassen beim Aussteigen eine immerwährende Sehnsucht.
Manche stürzen uns in tiefe Not. Manche steigen ein, und wieder aus,
und wir haben sie kaum bemerkt.
Es erstaunt uns, dass manche der Passagiere, die wir am liebsten haben, sich in
einen anderen Wagon setzen, und uns die Reise in diesem Abschnitt alleine machen lassen.
Selbstverständlich lassen wir uns nicht davon abhalten, die Mühsal auf uns zu
nehmen, sie zu suchen und uns zu ihrem Wagon durchzukämpfen.
Leider können wir uns dann doch nicht zu ihnen setzen,
da der Platz an ihrer Seite schon besetzt ist.
So ist das Leben. Voll an Herausforderungen, Träumen, Fantasien,
Hoffnungen und Abschieden, aber ohne Wiederkehr.
Machen wir die Reise durch’s Leben, so gut wie wir es können.
Erinnern wir uns daran, dass in jedem
Abschnitt der Strecke einer der Gefährten schwanken kann und möglicherweise
unser Verständnis braucht.
Versuchen wir mit allen im Zug gut auszukommen, und sehen wir in jedem
von ihnen, das Beste.
Auch wir werden schwanken und es wird jemand da sein, der uns versteht.
Das große Mysterium der Reise ist,
dass wir nicht wissen, wann wir endgültig aussteigen werden, und genausowenig,
wann unsere Mitreisenden aussteigen werden, nicht einmal die,
die direkt neben uns sitzen.
Ich werde wehmütig sein, wenn ich aus dem Zugfür immer aussteige.
Ich glaube, die Trennung von einigen Freunden, die ich während der Reise traf,
wird sehr weh tun. Meine Kinder alleine zu lassen, wird mich sehr traurig machen.
Aber ich habe die Hoffnung, dass irgendwann der Zentralbahnhof kommt.
Dann werde ich sie ankommen sehen, mit Gepäck, das sie
beim Einsteigen noch nicht hatten.
Das wird mich froh stimmen.
Was mich glücklich machen wird, ist der Gedanke, dass ich mitgeholfen habe,
ihr Gepäck zu vermehren und ich die richtigen Inhalte hinein getan habe.
Schauen wir darauf, dass wir eine gute Reise haben und dass sich am Ende die
Mühe gelohnt hat. Versuchen wir, dass wir beim Aussteigen einen leeren Sitz
zurücklassen, der Sehnsucht und schöne Erinnerungen bei den Weiterreisenden hinterläßt.
In meinem letzten Koffer befindet sich, was ich nur mit großer Schwermut hinter mir lassen muss.
Dinge, die mein Leben prägten, meine Familie und meine Freunde.
Sehnsüchte, die ich noch habe.Vorstellungen, was wohl kommen mag, an dem Ort, den keiner kennt.
Und einen Spiegel in einem kleinen Kasten zeigt jedem, der hineinschaut,was er mitnimmt:
"die klare Sicht auf seine eigene Existenz".
Ich danke den Menschen, die mich bei meiner Zugreise begleitet haben,denjenigen
die noch im Zug des Lebens sitzen, wünsche ich eine gute Reise!
Auf Wiedersehen an der letzten Bahnstation...
Sarah Brightman & Andrea Bocelli: Time to say goodbye